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1976

in der DDR ...

in der Bundesrepublik ...

woanders ...

20. - 26. Januar
Vor dem Strafgericht in Ost-Berlin wird gegen den „professionellen Menschenhändler“ Rainer Schubert verhandelt; er erhält 15 Jahre Freiheitsentzug. Im November 1977 beginnt eine ganze Prozesswelle gegen Fluchthelfer.

1. Februar
Mit einem selbst gebauten U-Boot versuchen zwei DDR-Bürger durch die Elbe in die Bundesrepublik zu flüchten. Sie werden entdeckt und inhaftiert.

12. Februar
Politbüro und Ministerrat beschließen die Förderung des privaten Handwerks. Der Widerstand gegen die Verstaatlichung der Handwerksgenossenschaften hatte Erfolg.

30. März
Das Post- und Fernmeldeabkommen zwischen beiden deutschen Staaten wird unterzeichnet.

5. April
Zwischen SED und der Evangelischen Kirche kommt es zur Annäherung. Hans Seigewasser (SED) trifft sich mit Mitgliedern von Vorstand und Präsidium der Synode.

23 April
In Ost-Berlin wird der Palast der Republik eröffnet. Das Gebäude wird unter anderem der Sitz der DDR-Volkskammer.

1. Mai
Der frei gekaufte ehemalige politische Häftling Michael Gartenschläger wird bei dem Versuch, Selbstschussgeräte an der innerdeutschen Grenze abzubauen, von einer Einsatzgruppe des Ministeriums für Staatssicherheit erschossen.

15. Mai
Erste oppositionelle „Werkstatt“ der Jungen Gemeinde Jena.

18. - 22. Mai
IX. Parteitag der SED: Erich Honecker wird Generalsekretär der SED und Erich Mielke wird Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED.

27. Mai
Zentralkomitee und Freier Deutscher Gewerkschaftsbund beschließen neue Arbeitszeiten: die 42-Stunden-Woche für Schichtarbeiter, die 43 ¾-Stunden-Woche für alle anderen Werktätigen.

29./30. Juni
In Ost-Berlin findet eine Konferenz von 29 kommunistischen Parteien statt. Die Reden der Teilnehmer werden in der SED-Zeitung Neues Deutschland gedruckt. So erreichen auch die eurokommunistischen Positionen offiziell die Bürger der DDR.

10. Juli
33 Bürger aus Riesa fordern in einer Petition die Achtung der Menschenrechte von Erich Honecker.

5. August
Am Grenzübergang Hirschberg / Rudolphstein wird der italienische Lastwagenfahrer Benito Corghi von DDR-Grenzern erschossen.

18. August
Der Pfarrer Oskar Brüsewitz setzt sich aus Protest gegen die DDR-Regierung auf dem Marktplatz von Zeitz selbst in Brand. Er stirbt vier Tage später.

17. Oktober
„Wahl“ der Volkskammer und der Bezirkstage. Es wird gemeldet, dass 99,86 Prozent der Wähler für die Einheitsliste gestimmt hätten.

26. Oktober
Durch ein veröffentlichtes Dekret des Vatikans wird die bisherige „Berliner Ordinarienkonferenz“ in eine von der „Deutschen Bischofskonferenz“ unabhängige „Berliner Bischofskonferenz“ für das Gebiet der DDR umgewandelt.

29. Oktober
Rainer Kunze wird aus dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen. Am 13. April 1977 verlässt er die DDR.

Erich Honecker wird Staatsratsvorsitzender.

16. November
Wolf Biermann wird nach einem Gastspiel in der Bundesrepublik Deutschland die Wiedereinreise in die DDR verweigert und das „Recht auf weiteren Aufenthalt in der DDR entzogen“.

26. November
Robert Havemann wird wegen systemkritischer Haltung in seinem Haus in Grünheide unter Hausarrest gestellt.

22. Dezember
Dem ARD-Korrespondenten Lothar Loewe wird wegen „Diffamierung des Volkes und der Regierung“ die Akkreditierung in der DDR entzogen. Er hat den Schießbefehl kritisiert.

Seit 1976 gibt es eine konspirativ tätige KPD-ML/DDR, die die Politik der SED als revisionistisch kritisiert. Sie hat etwa 50 Mitglieder in Berlin und verfügt in den großen Städten der DDR über eigene Zellen. Zwischen 1977 und 1981 wird sie vom Ministerium für Staatssicherheit zerschlagen.

Seit 1976 wird der Einsatz von Bausoldaten nach einer zehntägigen Grundausbildung dezentralisiert durchgeführt, um Organisationsmöglichkeiten zu erschweren.

1976 verlassen 15.168 Menschen die DDR in Richtung Bundesrepublik.


9. Mai
Ulrike Meinhof erhängt sich in ihrer Gefängniszelle in Stuttgart Stammheim.

8. - 12. Juni
Der polnische Parteichef Edward Gierek besucht die Bundesrepublik.

18. August
Das Anti-Terror-Gesetz tritt in Kraft. Es stellt die „Bildung einer terroristischen Vereinigung“ unter Strafe.

3. Oktober
Wahlen zum Bundestag. Bestätigung der sozialliberalen Koalition.

15. Dezember
Wiederwahl Helmut Schmidts zum Bundeskanzler der Bundesrepublik.

13. Mai
In Moskau geben Bürgerrechtler die Gründung der „Öffentlichen Gruppe zur Verwirklichung der Kontrolle der Erfüllung der Helsinki-Abkommen in der Sowjetunion“ bekannt.

16. Juni
Im südafrikanischen Soweto, einem vorwiegend von Schwarzen bewohnten Vorort von Johannesburg, kommen bei der polizeilichen Niederschlagung von Unruhen 176 Menschen ums Leben.

Bei den Mutual Balanced Force Reductions (MBFR)-Verhandlungen in Wien über die gegenseitige Verminderung von Streitkräften und Rüstungen (und damit zusammenhängenden Maßnahmen in Europa) legt die UdSSR zum ersten Mal Zahlen über die Truppenstärken des Warschauer Pakts vor.

24. Juni
Erhöhung der Lebensmittelpreise in Polen angekündigt. Die Bevölkerung reagiert mit einer Streikwelle.

Juli
Als Reaktion auf Repressionen der Staatsführung gegen Teilnehmer an Arbeiterprotesten entsteht das Komitee zur Verteidigung der Arbeiter (KOR). Das Hauptziel des KOR sind finanzielle Unterstützung und Rechtsbeistand für verfolgte Arbeiter.

12./13. Juli
In Brüssel beschließt der Europäische Rat die Direktwahl eines europäischen Parlaments für 1978. Die Sowjetunion protestiert gegen die Einbeziehung Berlins, die Westmächte weisen diese Kritik zurück.

4. November
889 Arbeiter aus dem polnischen Ursus fordern in einem Brief an die Regierung die Wiedereinstellung aller nach dem Juni-Streik Entlassenen.

18. Dezember
Austausch und damit Freilassung des sowjetischen Dissidenten und Schriftstellers Wladimir Bukowski, der in der Sowjetunion in Haft war, gegen den chilenischen KP-Chef Luis Corvalán, der Häftling des Pinochet-Regimes war.